Was ist los gewesen in Kiel in den letzten 50 Jahren? Ist etwas los gewesen?
Oh, eine Menge, wird der eine meinen, erinnert sogleich an den Trümmerhaufen nach dem Krieg und verweist auf wieder erstandene Straßenzüge und neu errichtete Häuserzeilen.
Stimmt, eine Menge, mag ein anderer beipflichten; interessiert an der Tagespolitik, wird er vielleicht von den vielfältigen Wechselfällen der Kommunalpolitik erzählen, Oberbürgermeister charakterisieren und sich über Parteiaffären und Verstrickungen ärgern.
Der Dritte mag von der Politik nichts wissen und für Straßenbilder und Häuserfronten ohnehin kein Auge haben. 40 Jahre lang in Kieler Unternehmen engagiert tätig gewesen, wird für ihn Kieler Geschichte vielleicht zunächst eine Geschichte vom Kampf ums wirtschaftliche Überleben sein, eine Geschichte von Auftragseingängen, von Auftragsabwicklungen und von Gewinn- und Verlustrechnungen.
Wieder ein anderer hat keinen Besuch im Opernhaus versäumt; mit glänzenden Augen weiß er davon zu erzählen, welche Aufführungen unzweifelhaft die Höhepunkte der Kultur darstellten.
Politik, Wirtschaft, Kultur - die Familie steht doch über allem, sagt der Nächste. Er erinnert sich zunächst an Taufen, Tanzstunden und Todesfälle.
Was war los in Kiel in den letzten 50 Jahren? Was los war? Was soll denn los gewesen sein in diesem Kaff? - Auch diese Antwort wird es geben.
Die Antworten werden ganz unterschiedlich ausfallen und sie werden für sich immer unvollständig sein. Das vorliegende Buch möchte Antworten geben, erhebt dabei aber keinesfalls den Anspruch, die umfassende Historie der Stadt Kiel nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu liefern. Es möchte Mosaiksteine bieten, kein Gesamtbild, Streiflichter aus der Politik, aus der Wirtschaft, aus der Kultur, aus dem offiziellen Leben und, vor allem, aus dem persönlichen Alltag, vielleicht noch bekannte und vielleicht bereits kaum noch bekannte. Es möchte Erinnerungen wecken und es möchte anregen, Erinnerungen zu wecken. Und es möchte zeigen: Natürlich war etwas los in Kiel in den letzten 50 Jahren. Jede Menge war los.
Um solche Mosaiksteine zusammenzustellen und auch einmal ganz persönliche Erinnerungen bieten zu können, wie sie ja nicht nur in Worten zum Ausdruck kommen, sondern auch in Bildern festgehalten sind, bedarf es mehr als eines Gangs in Archive oder Bibliotheken. Verwandte, Freunde und Bekannte haben sich für uns erinnert, haben erzählt, haben altes Schrifttum hervorgeholt oder neues erstellt und in Dachboden- oder Kellerkisten mit Fotoalben gewühlt.
Unser herzlicher Dank gilt besonders den Damen und Herren Erich Baum, Isabel Broders, Hermann David, Ulrich Dagge, Lisa Fritzsche, Klaus Fritzsche, Uwe Fritzsche, Silke und Peter Fritzsche, Magdalena Gaethke, Manuela und Dr. Ulrich Junghölter, Jan Koehler-Kaeß, Günter Küchenbecker, Pia-Patricia Missfeldt, Ernst-Otto Rathleff, Godehard (Gordon) Witte und Rüdiger Zwak. Weiterhin danken wir der Achterbahn AG in Kiel und dem Altonaer Museum, Norddeutsches Landesmuseum, in Hamburg, dem Kieler Stadtarchiv und der Tanzschule Gemind für Unterstützung.