| Kurzbeschreibung : In vielen Terminkalendern steht irgendwo ein Satz wie der folgende: "Die Auf- und Untergangsszeiten der Sonne sind in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) errechnet; sie gelten genau für den zentral gelegenen Ort Kassel." Anderswo gehen die Uhren bis zu einer Viertelstunde vor oder nach. In Kassel wohnt man vielleicht nicht gerade im Herzen Deutschlands, aber im Nabel. Genau in der Mitte. So ein Nabel hat auch was. Aber natürlich ist nicht zu leugnen, daß sich ein bißchen weiter oben und ein bißchen weiter unten noch weit aufregendere Regionen befinden. So ist das auch mit Kassel. Für die Anziehungskraft eines Nabels ist übrigens nicht so sehr der Nabel selbst entscheidend, sondern die unmittelbare Umgebung. Und die ist in Kassel nun wirklich unschlagbar. Die Antworten auf die Frage, was an Kassel toll ist, lassen sich in einem Slogan zusamenfassen: Das Beste dran ist das Drumrum.
Die Stadt selbst ist, außerhalb der grandiosen Parks, einiger Schlösser und dem, was sonst noch nach der „Totalsanierung“ (ein Wort des aus Kassel stammenden Schriftstellers Manfred Hausmann), nämlich der fast vollständigen Zerstörung durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg übriggeblieben ist, nicht schön. Aber trotz einer Anzahl stupender Schwachsinnigkeiten beim Wiederaufbau auch nicht wesentlich häßlicher als vergleichbare Städte, denen es ähnlich erging. Im Gegensatz zu dem selbst bei manchen ihrer Bürger verbreiteten Klischee (halb so groß wie der Hauptfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot) ist sie auch nachts durchaus lebendig.
Leben in Kassel von den 50ern bis in die 90er Jahre. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die Zeiten oder Sachen erlebt haben, die ich nicht erleben konnte, weil ich zu jung oder zu alt bin oder weil ich inzwischen woanders wohnte. Was war los, damals in Kassel? Jedem, der mir geholfen oder Fotos zur Verfügung gestellt hat, bin ich zu Dank verpflichtet. Klaus Becker vom EXTRA TIP muß man bloß anpieken, und eine Welle nie geahnter Historie schwappt über einen hinweg. Ilse Vick vom Düsseldorfer Hof erzählte mir Sachen aus den 50ern, Roswitha Schweitzer und Peter-Matthias Gaede aus den 60ern, Uwe Polzin aus den 70ern, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Gerrit Stieglitz von FRITZ Das Magazin lieferte eine hübsche Vorlage über Techno und HipHop im Kassel der 90er und wird sicher einige seiner Sätze wieder erkennen; ebenso wie Thorsten Krämer, der einen Erlebnisbericht über ein Heimspiel der Huskies in der Eissporthalle beisteuerte. Und ohne die unermüdliche Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit von Frank-Roland Klaube und seinem Team im hervorragenden Kasseler Stadtarchiv wäre das ganze Buch überhaupt nicht möglich gewesen. Außerdem verdienen meine Eltern, Anneliese und Helmut Schnell, sowie mein alter Freund Oliver Mehl besonderen Dank. |