Ein Buch über Aachen also. Über die letzten fünfzig Jahre. Welche Themen sind da wichtig? Man kann auch fragen: Wie buchstabiert man Aachen? Erst kommen zwei A wie die Alemannia und die schöne Altstadt, dann kommt ein C wie C(K)arneval, C(K)arlspreis und c(k)atholisch, es folgt ein H wie Hochschule, darauf das E wie sein heißes Eierwasser, das am Elisenbrunnen fließt, und schließlich ein N wie Nähnadeln und Naschwerk - hier denke man an Printen und Schokolade.
War das alles? Nein, die Stadt hat noch mehr Facetten. Eine kluge Buchhändlerin rät: >Die Nähe von Belgien und Holland, diese Mischung aus Internationalität und Provinz, der Blick über den Tellerrand - das sind Schlagworte, die sie unbedingt bringen müssen.< Ja, das ist in Aachen natürlich wichtig, und macht viel seiner Lebensqualität aus. Die Ausflüge nach Belgien, der Reisfladen, die vielen belgischen, französischen und niederländischen Namen im Telefonbuch, der Einfluss dieser Sprachen auf die sorgsam gehegte Mundart gehören hier zum Leben. Die umgebenden Länder sind ein Teil der Vielfalt, die in dieser Stadt ein durchgehendes Motiv ist und sich auch im Stadtbild zeigt: Wenn man zum Beispiel von der Stadtmitte, Dom und Theater im Rücken, in Richtung Eifel fährt und denkt, jetzt kommt nur noch Vorstadt - und sich dann unverhofft das Burtscheider Tal mit seinen schönen Kirchen öffnet. Oder wenn man auf dem Weg in die Eifel mit dem schön heimeligen Monschau auf solch ein Kleinod wie Kornelimünster stößt, wo Schulter an Schulter die Fachwerkhäuser stehen: Es scheint fast, als gebe es weit und breit kaum eine solche Vielfalt auf engem Raum.
Eine Vielfalt, die sich auch im Wechsel der Landschaftsbilder und im Aufbau der Erdschichten zeigt: Zwischen Aachen und Hohem Venn kann man nahezu alle geologischen Zeitalter besichtigen - auch eine Seltenheit in Deutschland, ja Europa. Weil es hier so viele Erdschichten gibt, stößt man allenthalben auf Naturschätze: Steinkohle, Braunkohle in bequemen Mengen in der nächsten Umgebung, dazu ein wenig Erz in Stolberg und Kelmis, viel Wald drum herum und natürlich die heißen Quellen – von allem etwas, aber von nichts zuviel. Keine Superlative, aber eine gute Mischung. Eine solche Vielfalt paust sich durch auf die Geschichte der Stadt, die von den Römern über Karl bis in die Neuzeit mehrere Glanzzeiten sehen durfte.
In den letzten fünfzig Jahren schließlich fanden hier, wie auch anderswo, große Veränderungen statt: Alte Industriezweige verschwanden, neue Branchen entstanden, deren Keime an der großen Hochschule gelegt wurden. Das Stadtbild veränderte sich und wurde wieder verändert. Traditionen blieben bestehen, es kamen sogar neue hinzu. Viele Entwicklungen zeichneten sich ab, die so oder ähnlich auch in anderen Städten sichtbar wurden. Immer wurden sie durch die Stadt mit ihren großen Koordinaten Dom und Hochschule besonders geprägt. So ganz vorne am Trend hat Aachen jedoch nie gesegelt. Es hat in seinem Talkessel auch manche Entwicklung verschlafen - vielleicht zu seinem Glück. Dennoch war hier in den letzten 50 Jahren eine Menge los. Vielleicht entdecken Sie in diesem Buch einiges wieder, was schon fast in Vergessenheit geraten war.