Weiße Blicke - Schwarze Körper
Afrika im Spiegel westlicher Alltagskultur
250 Seiten, Maße: 245 x 225 mm, gebunden, ISBN: 978-3-86680-412-8, 1. Auflage 01.06.2010
Das Sammeln und Präsentieren von Bildern gehörte ganz wesentlich zum Akt der Vereinnahmung Afrikas durch Europa. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war es vor allem die Bildpostkarte, die den Menschen in der westlichen Welt eine Vorstellung vom „dunklen Kontinent“ vermittelte. Die millionenfach kursierenden Karten waren das zentrale Massenmedium der visuellen Populärkultur und trugen dazu bei, die Errungenschaften imperialer Politik durchzusetzen und zu legitimieren.
Der Historiker Joachim Zeller hat für diesen Band rund 400 Bilder, zumeist Postkarten aus der Sammlung Peter Weiss, ausgewählt. Sie zeigen den Afrikaner, wie ihn die Weißen sahen oder sehen wollten, als Exoten, Wilden, kolonialen Untertan oder Witzfigur. Die Aufnahmen dokumentieren nicht nur das ganze Spektrum des Kolonialismus der Bilder, sondern thematisieren ebenso die Widerständigkeiten, die Gegenblicke der Afrikaner, die – auf ihren Eigensinn beharrend – „zurückschauen“ konnten. Der Autor liest die Bildpostkarten „gegen den Strich“ und stellt die Darstellungen fachkundig in den historischen und ideologischen Zusammenhang. Er zeigt, wie Afrika(ner) durch den kolonialen Blick des „weißen Mannes“ exotisiert, typisiert, trivialisiert, verdinglicht, für Werbezwecke oder Propaganda eingespannt wurden.
Dieser Band trägt dazu bei, rassistische Wahrnehmungsmuster aufzubrechen und stellt so den aus dem Kolonialzeitalter überkommenen weißen Blick infrage.

Zeller hat sich mit diesem Buch wohl endgültig als der führende deutschsprachige Spezialist für Forschungen zum visuellen deutschen Kolonialismus, insbesondere als grandioser Kenner von historischem Fotomaterial ausgewiesen.

Auch heute noch üben die bunten Bilder eine Faszination aus, der sich der Betrachter schwer entziehen kann. Die grotesken Karikaturen, lustigen Postkarten oder eindringlichen Werbebilder sorgen immer noch für entsprechende Reaktionen beim Publikum und zeigen so, dass sie ihre Wirkung nicht verloren haben.

Zellers Bildband [...] ist ein weiterer Beweis dafür, dass man bei Sutton hochwertige und fachlich fundierte Sachbücher zu historischen Themen herausgibt. Wer sich für Afrika und die Kolonialzeit interessiert und mehr über die Hintergründe deutscher Kolonial-Träume erfahren möchte, sollte Joachim Zellers Buch lesen.

Die spannenden Bilder dokumentieren ein weites Spektrum des deutschen Kolonialismus, aus heutiger Sicht teils furchterregend, schockierend, anstößig und beschönigend. Ein dichtes Bildwerk des weißen, kolonialen Blicks auf die als minderwertig empfundenen Afrikaner, die bis tief in die 60er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland für Werbezwecke und Propaganda missbraucht worden sind.

Mit einem Bildband etwas im Kopf der Menschen bewirken. Joachim Zeller ist es gelungen. Hoffentlich schauen sich diesen Band recht viele, vor allem noch alt konservativ denkende Menschen, einmal an. Ein Buch welches sich auch ungemein gut im Schulunterricht einsetzen lässt.

Über kritische Kommentare und Hintergrundtexte dekonstruiert Zeller die in den Abbildungen transportierte Wahrnehmung des Kontinents und seiner Menschen. Gekonnt stellt er dabei die Stereotype, die stellenweise bis heute zu finden sind, gehörig infrage.

Dieses Bilderbuch stellt mit den vielfältigen Zugangsweisen und Fragestellungen nach unserem Verhältnis zum "Fremden" und zum "Anderen" eine heilsame Provokation dar.

gelungene Zusammenstellung von Bilddokumenten

eine außergewöhnliche Publikation

Ein wichtiges Zeugnis zur Kolonialgeschichte.



